Candid shots - die Kunst des Spontanen

Im Wiederkehrenden das Wunderbare zu sehen. Darin liegt die Kunst. Und: Es zu fotografieren. Lifestyle- und Reise-Bloggerin Nicole Hildebrandt von LuziaPimpinella.com zeigt, welche Tipps Sie dann beherzigen.

In Mamas Stöckelschuhen
In Mamas Stöckelschuhen herumstaksen... der Klassiker unter den „Mädchensachen“!

Die Fotogewohnheiten haben sich geändert

Vielleicht erinnern Sie sich ja auch noch an die Zeit, als Fotos meist nur zu besonderen Gelegenheiten und Anlässen gemacht wurden. Ich denke da an Geburtstage, Hochzeiten, sonstige Jubiläen und natürlich den Familienurlaub! Der Fokus war sprichwörtlich darauf gerichtet, die ganz besonderen Momente im Leben einzufangen. So etwas wie Omas 75. Geburtstag, die Hochzeit von Mama und Papa, die ersten Schritte der Tochter, die Einschulung des Sohnes und vieles mehr.

Der Fokus war sprichwörtlich darauf gerichtet, die ganz besonderen Momente im Leben einzufangen. – Nicole Hildebrandt, luziapimpinella.com
Mutter-Tochter-Selfie auf dem Flohmarkt
Ein Mutter-Tochter-Spiegel-Selfie auf dem Flohmarkt. Ich habe meine Kamera (fast) immer und überall dabei.

Die Digitalkamera als Teil des Lebens

Auch bei uns wurde in früheren Zeiten die Kamera eigentlich nur zu besonderen Anlässen aus der Schublade geholt. Denn wenigsten Leute machten damals Fotos von ganz alltäglichen Momenten. Schließlich waren Filme für die Fotokamera irgendwie etwas Kostbares und auch die Entwicklung der Bilder kostete Geld. Nicht selten blieb ein Film über Monate, manchmal sogar Jahre in der Kamera, bis man den Film dann endlich voll geknipst hatte.

Was für ein Glück, dass wir heute durch die Revolution der digitalen Fotografie ganz neue Freiheiten haben. Denn letztendlich besteht unser Leben nicht nur aus den großen, besonderen Momenten, sondern vor allem aus ganz vielen, sehr alltäglichen Augenblicken. In meiner Fotografie versuche ich diese zu feiern und festzuhalten. Denn gerade diese „Momentchen“ können einmal große, glückliche Erinnerungen werden.

Sonntagsspaziergang
Beim Sonntagspaziergang Löwenzahn pflücken und damit die Ziegen füttern – wunderbare Momente, die man vielleicht ohne Fotos vergessen würde.

Auch die kleinen Dinge brauchen Platz

Wenn ich meine Kamera zur Hand nehme, sind es ganz oft diese flüchtigen, kleinen Augenblicke, die ich festhalten möchte, damit sie nicht für immer verloren gehen. Denn, seien wir ganz ehrlich: Ist es nicht so, dass diese alltäglichen Kleinigkeiten viel dringender eine Erinnerungsstütze brauchen, als die großen Ereignisse im Leben einer Familie? Würden wir uns ohne Bilder wirklich noch an die Kreidezeichnung vor der Haustür kurz vor Ostern erinnern, die schon kurz danach der Regen hinweg wusch? An den wunderbaren Frühlingstag auf der Gänseblümchenwiese im Park oder an die gemütlichen Lesestunden zu Hause? Indem wir diese Augenblicke mit der Kamera festhalten, fangen wir auch immer ein bisschen den wahren Zauber unseres Lebens ein.

Ist es nicht so, dass diese alltäglichen Kleinigkeiten viel dringender eine Erinnerungsstütze brauchen, als die großen Ereignisse im Leben einer Familie? – Nicole Hildebrandt, luziapimpinella.com
Schnappschuss auf dem Flohmarkt
Schnappschuss auf dem Flohmarkt: Vintage-Brillen anzuprobieren ist ein Riesenspaß.

Ehrliche Momente

In der englischen Sprache gibt es übrigens ein wunderbares Adjektiv für spontane, ganz ehrliche ungestellte Fotografien. Man nennt sie „candid shots“. „Candid“, das bedeutet übersetzt „aufrichtig, ehrlich, offen, unumwunden“. Oft sind diese Fotos die, die uns am tiefsten berühren, denn sie sind eine Momentaufnahme des echten Lebens und somit das genaue Gegenteil von gestellten Bildkompositionen.

Ruhige Momente und die schmutzige löchrige Jeans nach einem aufregenden Tag im Garten.

Die eigenen Augen ruhig auch einmal wieder fordern

Ich habe ein Lieblingszitat: „Die wahre Lebensweisheit besteht darin, im Alltäglichen das Wunderbare zu sehen“. Es stammt von der amerikanischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck und ich versuche, es mir täglich ins Gedächtnis zu rufen. Denn ich glaube, dass es die Summe der kleinen Dinge ist, die uns glücklich machen.

Nicht zuletzt das Schreiben eines Blogs und das Fotografieren haben mir die Augen geöffnet für die unzähligen kleinen und doch wunderbaren Momente des Alltags. Ich glaube, dass man genau diesen Blick schulen kann und dabei kann die Fotografie sehr helfen. Denn die Fähigkeit zur Wahrnehmung von Details kann tatsächlich auch unsere Lebensperspektive verändern.

Familienmomente am Hamburger Elbstrand. Unser Lieblingsplatz im Frühling!

Geht nicht, gibt's nicht!

So versuche ich selbst mit meiner Fotografie das festzuhalten, was man eigentlich nicht festhalten kann. Und es gelingt! Wenn ich manchmal - auf der Suche nach einem bestimmten Bild - durch mein Fotoarchiv der letzten Jahre stöbere, bin ich oft erstaunt und auch erschrocken, wie wenig das menschliche Gehirn als bewusste Erinnerung zu speichern vermag. Ich klicke durch meine Fotografien und es werden sofort Momente wach, die ich vergessen hatte, obwohl sie noch gar nicht lange vergangen sind. Es wird mir klar, dass diese Ordner mit unzähligen digitalen Bildern über die Jahre auch zu einer Art moderner Familienchronik geworden sind, deren Dokumentarin ich bin.

Ich klicke durch meine Fotografien und es werden sofort Momente wach, die ich vergessen hatte, obwohl sie noch gar nicht lange vergangen sind. – Nicole Hildebrandt, luziapimpinella.com
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