Meine Tipps zur Organisation von Fotos

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Liebe Leserinnen und Leser,

Bloggerin Nic Hildebrandt von LuziaPimpinella.com

Bloggerin Nic Hildebrandt

wer kennt das nicht? Man hat etwas Schönes erlebt – einen Urlaub, eine Familienfeier, eine Hochzeit – und als passionierte/-r Hobbyfotograf/-in kommt man dann mit gefühlten 4.598 Fotos auf der Speicherkarte nach Hause. Manchmal nicht nur gefühlt. Ich gebe zu: Nach einer Reise habe ich sogar noch mehr im Gepäck. Aber so eine Menge Bilder kann einen auch ganz schön stressen.

Sie benötigt viel Speicherplatz, will gesichtet, aussortiert, abgelegt und gesichert werden. Im besten Fall sollen daraus auch noch Foto-Prints und/oder ein schönes Fotobuch als Erinnerung werden. Viel Arbeit steht einem da auf jeden Fall bevor, aber am Ende auch eine, die sich richtig lohnt und viel Freude bereitet.

Deswegen möchte ich Ihnen heute gern in meiner Momentchenmal-Kolumne erzählen, wie ich meine Fotomassen von der Speicherkarte bis zur Vorbereitung für ein Projekt organisiere und bearbeite. Vielleicht auch schon mit dem Ziel, ein Fotobuch mit meinen Bildern zu gestalten. Ich weiß, jeder kommt natürlich unterschiedlich zum Ziel. Aber dieser Weg hier und heute ist meiner und vielleicht sind ja auch ein paar Tipps für Sie dabei?

 

Meine Tochter habe ich auch bereits mit dem Fotografie-Virus infiziert - wir gehen gern zusammen auf Motivsuche.

Meine Tochter habe ich auch bereits mit dem Fotografie-Virus infiziert – wir gehen gern zusammen auf Motivsuche.

Schon allein mein Beruf als Bloggerin bringt es mit sich, dass ich fast überall mit meiner Kamera unterwegs bin und im Laufe eines Jahres Unmengen an Fotos knipse. Meine Leidenschaft für das Thema Fotografie an sich tut das ihrige, um meine Speicherkarten und Festplatten zu füllen. Genau deswegen ist es für mich natürlich zwingend notwendig, ein eigenes System zum Sortieren, Organisieren, Bearbeiten und Ablegen meiner digitalen Bilder zu haben.

Meinen persönlichen Weg, vor allem große Fotomassen zu händeln (beispielsweise eben nach einer Reise), möchte ich heute mit Ihnen hier teilen. Vielleicht hilft es Ihnen ja auch, Ihre Bilder besser zu organisieren und zielstrebiger zu einem Fotobuch zu kommen?

 

 

 

1. Ich mache mich möglichst sofort an die Foto-Sichtung

Die südenglische Steilküste bei Beachy Head - ein Traum für Landschaftsfotos.

Die südenglische Steilküste bei Beachy Head – ein Traum für Landschaftsfotos.

Bleiben wir also beim Beispiel Urlaub. Ich habe festgestellt, dass ich meine Foto-Organisation gern vertrödele, wenn ich mich nicht sofort und ohne Umschweife an die Arbeit mache. Deswegen lade ich meine vielen Reisebilder auch lieber direkt nach dem Urlaub von den Speicherkarten herunter und fange an, sie zu sortieren und auch rigoros auszusortieren.

Würde ich das nicht tun, würden mein PC und die externen Festplatten sehr schnell aus allen Nähten platzen und ich selbst auch gnadenlos den Überblick verlieren. Deswegen herrscht bei mir besonders bei großen Fotomengen die Devise: je eher daran, desto eher davon! Optimalerweise habe ich bereits einen Tag nach der Rückkehr aus einem Urlaub alle Fotos der Reise auf meinen Computer übertragen. Dann ist ein erster, oft zeitaufwendiger Schritt schon einmal geschafft.

 

Ich liebe Details - für mich machen sie eine Foto-Story erst komplett und rund.

Ich liebe Details – für mich machen sie eine Foto-Story erst komplett und rund.

2. Ich habe mir ein für mich sinnvolles Ordnungs- und Speichersystem ausgedacht

Mein größter Feind ist die Unordnung in Bildern. Denn oft muss ich durch meinen Job auch nach langer Zeit ganz bestimmte Aufnahmen und Fotoserien wiederfinden. Beispielsweise wenn ein Print-Magazin anfragt und eines meiner älteren Fotos erwerben und abdrucken will. Bei mir erfolgt deshalb die erste Sortierung bereits beim Download – ganz simpel nach dem Aufnahmedatum.

Ein Dateiordner mit allen Fotos vom 19. Oktober aus New York zum Beispiel heißt nach meiner Methode einfacherweise 2016_10_19_New York. Das ergibt schon mal eine grobe Vorsortierung, mit der ich später sehr gut weiterarbeiten kann.

Mit diesem Grundsystem in meinen Dateiordnern komme ich persönlich sehr gut klar, um einen Überblick zu behalten. Aber natürlich kann man sich auch andere Ordnungssysteme ausdenken. Hauptsache ist am Ende, man bleibt bei einer Methode und behält sie dauerhaft bei.

Ich sehe mir jedes einzelne Foto und besonders die Fotoserien ganz genau an und hebe nur die Aufnahmen auf, die es in meinen Augen auch wirklich wert sind. Nic Hildebrandt, luziapimpinella.com

3. Hand aufs Herz – ich muss nicht jedes Foto aufheben

Durch die digitale Fotografie und große Speicherkapazitäten ist das Foto an sich irgendwie inflationär geworden. Man knipst wild drauf los, produziert Unmengen an Bildern und Schnappschüssen fast ohne Limit. Eigentlich ist das ja wunderbar, denn man fotografiert dadurch natürlich viel mehr als früher. Andererseits wird oft nicht mehr so viel Bedacht und Aufmerksamkeit auf das einzelne Bild gelegt. Was manchmal auch schade ist.

Und dennoch weiß ich aus Unterhaltungen, dass es vielen Menschen generell schwer fällt, sich von selbst digitalen Fotos zu trennen und konsequent auszusortieren. Aber ganz ehrlich und Hand aufs Herz:

Braucht man wirklich vielfache Versionen eines Fotos aus fast ein und derselben Perspektive? Braucht man von einer Szene oder einer Situation wirklich am Ende alle Schnappschüsse, die man davon eingefangen hat?

Kein Pardon

Immer auf der Suche nach dem nächsten Fotomotiv - hier sind es eben mal neonfarbene Schafe. ;)

Immer auf der Suche nach dem nächsten Fotomotiv – hier sind es eben mal neonfarbene Schafe. 😉

Ich versuche, da wirklich rigoros zu sein. Ich sehe mir jedes einzelne Foto und besonders die Fotoserien ganz genau an und hebe nur die Aufnahmen auf, die es in meinen Augen auch wirklich wert sind. Serien werden ausgedünnt und optimalerweise auf ein Foto reduziert. Missglückte Bilder werden ebenfalls eliminiert, es sei denn, sie haben irgendeinen zufälligen, künstlerischen Charme, was natürlich auch mal vorkommen kann.

Am Ende dieses Prozedere habe ich die Anzahl der Fotos oft auf die Hälfte reduziert, manchmal sogar auf ein Drittel. Natürlich fällt es auch mir manchmal schwer, Fotos in den virtuellen Papierkorb zu werfen, besonders dann, wenn geliebte Menschen darauf sind. Aber ich habe ja auch noch 4.589 andere mit ihnen drauf. Nicht wahr!? 😉

 

Klassisch englisch - high tea in Rye.

Klassisch englisch – high tea in Rye.

4. Bilder mit Fotobuch-Potential lege ich direkt „beiseite“

Dieses unter Punkt 3 beschriebene Screening kann ich nun auch gleich nutzen, um die besonderen Fotos herauszupicken, die das Potential haben, später einmal in einem schönen Fotobuch zu landen.

Denn wenn ich sowieso jedes einzelne Bild sichte, warum sollte ich nicht gleich eine Vorauswahl treffen und mir die spätere Arbeit erleichtern? Wann immer ich also bei meiner Aussortiererei Fotos sehe, die ich gern später in einem Fotobuch verewigt hätte, lege ich ein Duplikat davon in einen extra Dateiordner, wo ich sie sammele.

Wichtig ist für mich, dass es eine Kopie ist und das Originalfoto weiterhin in seinem Ursprungsordner bleibt. Würde ich die Fotos nämlich hin und her schieben, würde mein ganzes System durcheinander geraten und ich später eventuell einzelne Bilder nicht wiederfinden, wenn ich sie suche. Dies gilt im Übrigen auch für die Fotodateien, von denen ich später einen Art-Print oder Fotoabzug anfertigen lassen möchte oder die ich für einen Blog-Artikel benötige. Auch diese lege ich als Duplikat in einen eigens angelegten Ordner, um sie gezielt wiederfinden zu können.

 

5. Ich denke daran, dass ich in meinem Fotobuch eine Story erzählen möchte

Deshalb achte von vornherein darauf, dass die Auswahl der Fotos für mein Fotobuch möglichst abwechslungsreich ist. Ich möchte ja in meinem Buch später eine spannende, visuelle Geschichte erzählen.

Südenglische Strand-Idylle - ich liebe es, auf Reisen das „real life of real people" einzufangen.

Südenglische Strand-Idylle – ich liebe es, auf Reisen das „real life of real people“ einzufangen.

Emotionen und Eindrücke auch dem unbeteiligten Betrachter nahe bringen, wenn er die Seiten durchblättert. Und seien wir ganz ehrlich, nichts ist dabei langweiliger, als zig Fotos ein und derselben Szenerie in Folge.

Für mich ist also bei der Gestaltung eines Fotobuchs die Bildvariation enorm wichtig. Optimalerweise wechseln sich bei mir weitwinkelige Fotoformate mit Detailaufnahmen, Menschen und Umgebung ebenso. Das große Ganze und die kleinen Feinheiten sollen am Ende eine Mischung ergeben, die eine Geschichte erzählt und eine Stimmung vermittelt, ohne dabei eintönig zu sein.

 

6. Ich editiere meine Fotos

Im Hafen des cornischen Fischerörtchens Mevagissey - ein stimmungsvolles Close up.

Im Hafen des cornischen Fischerörtchens Mevagissey – ein stimmungsvolles Close up.

Egal ob für ein Fotobuch, Abzüge, Art Print oder Blogpost – ich bearbeite alle meine Fotos zur Vorbereitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm, um ein ausdrucksstarkes Ergebnis zu erzielen.

Oft reicht es schon, die Helligkeit ein wenig zu erhöhen und den Kontrast ein bisschen zu vertiefen. Mittlerweile habe ich natürlich eine ganz persönliche Bildbearbeitungsroutine entwickelt, die meinen Fotos einen bestimmten, durchgängigen Look gibt.

Wenn Sie Ihren eigenen Bearbeitungsstil gefunden haben, bleiben Sie dabei und halten ihn für Ihr Projekt auf jeden Fall durch. Denn so sieht ein Fotobuch hinterher auch aus wie „aus einem Guss“ und die Gestaltung wirkt harmonisch.

Ganz wichtig ist dabei übrigens, dass ich niemals das Originalbild mit meiner Editierung überschreibe. Ich speichere das bearbeitete Foto immer als separate Datei! Denn manchmal gefällt einem nach einer Weile der Fotolook, den man da kreiert hat, nicht mehr, auch weil man sich vielleicht technisch weiterentwickelt hat. Dann ist man froh, wenn man noch das Originalfoto ohne Veränderung und „SOOC“ (=straight out of the camera) vorliegen hat.

Wenn Sie Ihren eigenen Bearbeitungsstil gefunden haben, bleiben Sie dabei und halten ihn für Ihr Projekt auf jeden Fall durch. Nic Hildebrandt, luziapimpinella.com

 

 

Noch ein kleiner Extra-Tipp: Wenn man bereits editierte Fotodateien in der Gestaltungssoftware von CEWE hochlädt, sollte man nicht vergessen, in den Programm-Einstellungen die automatische Bildoptimierung auszuschalten. Denn eine ungewollte doppelte Bildbearbeitung ergibt meist ein suboptimales Ergebnis!

 

 

Details fangen die Stimmung eines Ortes ein - hier im Fischerörtchen Mousehole in Cornwall.

Details fangen die Stimmung eines Ortes ein – hier im Fischerörtchen Mousehole in Cornwall.

7. Ich unterteile meine Foto-Geschichte in Kapitel

Das meine ich jetzt nicht unbedingt wortwörtlich, aber ein Roman erzählt sich ja auch in Kapiteln.

Deswegen mag ich in meinen Fotobüchern auch sichtbare Zäsuren im Bildverlauf. Oft ergeben diese sich ganz natürlich, weil ich zum Beispiel eine Reise in chronologischem Ablauf erzähle.

Man könnte aber auch eine ganz andere Art von „Kapiteln“ mit unterschiedlichem Fokus kreieren – die Landschaften, die Kultur, das Essen, die Erlebnisse, die Menschen.

 

 

Warum die Fotos nicht einmal anders bündeln als nur nach der zeitlichen Abfolge? Erlaubt ist doch, was spannend ist. Und für mich macht es immer Sinn, dass ich mir die Aufteilung und den roten Faden meiner persönlichen Fotostory schon im Vorfeld überlege, und die Bilder bereits entsprechend vorsortiere.

 

Das Karussell am Strand von Brighton - sicher ein Lieblingsmotiv für alle Fotografen.

Das Karussell am Strand von Brighton – sicher ein Lieblingsmotiv für alle Fotografen.

Am Ende steht die Gestaltung meines Fotobuchs oder eines anderen Projekts. But that’s another story! Doch zu diesem Zeitpunkt bin ich „gut sortiert“ und optimal vorbereitet, um mich ohne weitere Umschweife an die Gestaltung meines Fotobuchs zu setzen, Foto-Prints zu bestellen oder einen Blogartikel zu schreiben. Meine Geschichte muss mit den so vorbereiteten Fotos nur noch erzählt werden.

Was ist Ihre Geschichte? Ich hoffe, ich konnte Ihnen auf dem Weg dorthin heute ein bisschen zur Seite stehen. Denn am Ende ist Organisation doch das halbe Fotobuch. 😉

Herzlichst,

Ihre Nic

6 comments

  1. U

    Ich finde es sehr interessant, daß das , was ich von Anfang an bei meinem Fotobüchern gemacht habe, – ich bin mittlerweile bei über 300 seit 2011, und nahe zu wahnsinnige Fotografin, 6 000 Bilder sind bei einer 14 Tage Reise nichts besonderes – das gelbe vom Ei und das sinnvollste zu sein scheint. Eigentlich etwas, was die Logik sowieso diktiert. Freut mich !!

  2. N

    Guten Tag, Frau Danniger,

    Danke für Ihren Kommentar und Ihre Freude am Fotografieren!

    Freundliche Grüße,
    Nico Lindner, Redaktion

  3. G

    Der Beitrag bestätigt mich in meiner sehr ähnlichen Verfahrensweise nach großen, aber auch kleineren Reisen.

  4. N

    Guten Tag, Herr Albrecht,

    auch Ihnen vielen Dank. Ich wünsche Ihnen weitere schöne Reisen samt zahlreicher Fotomotive!

    Freundliche Grüße,
    Nico Lindner, Redaktion

  5. L

    Eine Ergänzung: Es gibt Programme, mit denen man die einzelnen Bilder eines Ordners in einem Schritt umbenennen kann. Ich tue es nach dem Prinzip – wie oben – 2016_10_19-20_45_01-New York, also Titel nach Erstellungsdatum einschließlich Uhrzeit. Da in der Regel zwischen zwei Aufnahmen mehr als 1 Sekunde liegt, klappt das meistens. Wenn nicht- wird nach der Uhrzeit eine Ergänzung als Zahl oder Buchstabe eingefügt. Damit sind auch alle Bilder eindeutig zu zuordnen. Und man sie sortieren.

  6. N

    Guten Tag,

    Danke für Ihren Tipp!

    Freundliche Grüße,
    Nico Lindner, Redaktion

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