CEWE Fotoworkshop Lost Places – Die Farben des Verfalls

Gibt es den „richtigen Moment“, um statische, verfallende Mauern zu fotografieren? Was fasziniert besonders Fotografen an sogenannten „Lost Places“? Und wie nutzt man marode Mauerwerke als ideale Kulisse für starke Portrait-Inszenierungen? Bei einem CEWE Fotoworkshop in der Nähe von Berlin gingen etwa zwanzig Foto- und CEWE FOTOBUCH-Begeisterte diesen und vielen anderen Fragen nach – und fanden überzeugende fotografische Antworten.

 

Kerstin, eine Teilnehmerin des Workshops, zögert. Nein, das ist noch nicht das ideale Licht, um die langen Flure, durch die der Staub und der Atem der Geschichte wehen, bestmöglich zu fotografieren. So in etwa einer Stunde, dann steht die Sonne im richtigen Winkel, dann fällt das Licht so, wie sie es schon vor ihrem geistigen Auge sieht. Also das Stativ wieder einpacken und mit offenen Augen in der Zwischenzeit ein anderes Motiv suchen. „Ich liebe es, in alten Gemäuern nach interessanten Motiven zu suchen. Dabei geht es nicht darum, Wände mit abgeblätterter Farbe zu dokumentieren, sondern dieses Szenario als Bühne für die Gestaltung eigener Bilder zu nehmen,“ erklärt Kerstin die Faszination „Lost Places“.

Robert Geipel, Leiter des CEWE Fotostudios und fachlicher Leiter des Workshops ergänzt: „Wir wissen, dass Lost Places für viele Fotografinnen und Fotografen ein großes Thema ist. Das sehen wir unter anderem an der Häufigkeit, mit der mit solchen Motiven sehenswerte CEWE FOTOBÜCHER gestaltet werden. Bei diesem Workshop geht es vor allem darum, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die unterschiedlichen fotografischen Potenziale solcher Motivsituationen aufzuzeigen.“

Alte, verfallene Mauern haben tatsächlich eine ganz eigene Dimension – im wahrsten Sinne des Wortes: Durch abplatzende Mauerteile und abblätternde Wandfarbe verfügen sie über eine Dreidimensionalität, die besonders dann deutlich sichtbar ist, wenn Lichtstrahlen von der Seite die Erhebungen der Mauer durch Schattenbildung konturieren. Fällt das Licht durch milchig-trübe Glasscheiben, dann ergibt sich eine ganz andere Lichtsituation im Raum als wenn die Sonne durch ein offenes Fenster klare Lichtformen mit harten Kanten bildet. „Jedes Wetter, jede heraufziehende Wolke und natürlich jede Tageszeit verändert den Charakter des Lichts und damit des Motivs,“ erläutert Pascal Mühlhausen, ein Fotograf des CEWE Fotostudios, den Teilnehmern.

Caroline ist ebenfalls mit Stativ in den „Lost Places“ unterwegs – auf der Suche nicht nur nach ungewöhnlichen Lichtsituationen, sondern auch nach ungewöhnlichen Perspektiven und Blickwinkeln. Ein ideales Betätigungsfeld ist ein großzügig dimensioniertes Treppenhaus, in dem sich die Stufen an den Wänden entlang emporwinden. Die Fotografin nimmt sich Zeit, läßt die Atmosphäre auf sich wirken, probiert unterschiedlichste Einstellungen und Perspektiven. „Letztendlich gefällt mir die Sicht von oben ins Treppenhaus hinunter am besten, da der Betrachter erst auf den zweiten Blick erkennt, was es ist und wie die Treppe verläuft,“ kommentiert sie ihre gestalterische Entscheidung.

 

Das Gewinnerbild  des CEWE Fotoworkshops.

Das Gewinnerbild des CEWE Fotoworkshops. Fotografiert von der Teilnehmerin Caroline Lohrmann.
© Caroline Lohrmann

 

Licht, Perspektive, Bildausschnitt, Format: Mit diesen Parametern im Hinterkopf machen sich auch alle anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Suche nach „ihren“ Motiven in den verfallenden Gemäuern. Als Aufnahmegeräte nutzen die meisten DSLR-Kameras, doch auch moderne Smartphones sind im fotografischen Einsatz – letztere mit erstaunlich guten Ergebnissen, wie sich später in der Bildbesprechung zeigen sollte.

Nach etlichen Stunden intensiven Fotografierens ist jedem der Workshop-Teilnehmer klar, welcher unendlich großer Motivreichtum sich in den Lost Places verbirgt. Dennis, Stefan und Tanja haben wie die anderen Fotobegeisterten die gleiche Erfahrung gemacht: „Hinter jeder Tür ist ein neues Motiv, das einem ins Auge fällt. Um allerdings auch ein möglichst gutes und spannendes Foto zu bekommen, drückt man nicht sofort auf den Auslöser, sondern nimmt sich Zeit, um das Motiv im Sucher und auf dem Display zu gestalten. Erst wenn man zufrieden ist mit dem Bildausschnitt, dem Licht und der gewählten Perspektive, erst dann drückt man auf den Auslöser.“ Und Robert Geipel ergänzt: „Diese Art der Fotografie ist das genaue Gegenteil von schnellen, vom Zufall geprägten Schnappschüssen. Gerade deshalb macht es den Teilnehmern so viel Spaß und tut so gut als Gegenentwurf einer Hektik, die leider auch in der Fotografie um sich greift.“

 

Auf der Suche nach dem perfekten Bild, begaben sich unsere Teilnehmer Tanja Stark und Stefan Süverkrüp.

Auf der Suche nach dem perfekten Bild, begaben sich unsere Teilnehmer Tanja Starck und Stefan Süverkrüp.
© Tanja Starck & Stefan Süverkrüp

 

Nun sind verlassene Räume und verwitterte Mauern nicht nur perfekte Gestaltungsmotive, sondern sie eignen sich darüber hinaus ideal als Kulisse beispielsweise für Portraits. Um diese Tatsache in der Praxis zu nutzen, hatte Sylke Warning, die organisatorische Leiterin des Workshops, ganz besondere Fotomodelle engagiert: zwei Schwestern des Ordens der Perpetuellen Indulgenz, einem eingetragenen Verein, der sich unter anderem um Menschen kümmert, die von HIV und Aids betroffen sind. Daphne und Suzette tun aber nicht nur Gutes, sondern sie sind auch farbenfrohe und ausdrucksstarke Models für zahlreiche Portrait-Inszenierungen im alten Mauer-Ambiente.

 

Das blühende und farbenfrohe Leben traf auf die Schönheit des Verfalls.

Das blühende und farbenfrohe Leben traf auf die Schönheit des Verfalls.
© CEWE – Sylke Warning & Daniela Geipel

 

Wiederum spielt das Licht – künstlich durch eine portable Lichtanlage erzeugt sowie als einfallendes Sonnenlicht – bei der spannungsreichen Gestaltung zwischen den Personen und der Umgebung eine entscheidende Rolle. Workshop-Teilnehmer Thomas: „Die Gesichter der Menschen sollen bei solchen Portrait-Inszenierungen das Hauptmotiv sein, während die Umgebung, die eben noch die fotografische Hauptrolle gespielt hat, jetzt die Nebenrolle einnimmt. Und trotzdem, erst durch diese besondere Art der Umgebung wirken die Portraits so intensiv.“

 

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Experimentierfreude unserer Teilnehmer kannte keine Grenzen

Wo Licht ist, ist auch Schatten. Die Experimentierfreude unserer Teilnehmer kannte keine Grenzen.
Auf dem Bild abgebildet, Sonja Langenfeld alias Schneewittchens Stiefschwester
© CEWE – Robert Geipel & Alexandra Braun

 

 

Nach vielen Stunden fotografischer Praxis in den Lost Places und zusätzlich zu abendlicher Stunde mit heißen Motiven des Feuerkünstlers Malos Feuerkunst hatte jeder der Teilnehmerinnen und Teilnehmer viele hundert Bilder aufgenommen.

 

Die letzte und für den ein oder anderen schwierigste Aufgabe des ganzen Workshop war es, aus dieser Bilderfülle nicht nur die zehn besten Ergebnisse für die Bildbesprechung herauszusuchen, sondern mit dem eigenen Bildmaterial ein CEWE FOTOBUCH zu gestalten. Welche Geschichte will ich in meinem CEWE FOTOBUCH erzählen und welche Bilder brauche ich dazu? Welches Bild erzählt eine Geschichte? Welches Foto ist Teil einer Geschichte aus mehreren Bildern? Welches Motiv nehme ich als Titelfoto? Welche Aufnahme ist als Aufmacher geeignet, welches als finales Foto? Diese und viele weitere Fragen wurden nicht nur mit Hilfe der Workshopleitung, sondern auch durch die gegenseitige Hilfe der Teilnehmerinnen und Teilnehmer untereinander gelöst. Teilnehmerin Ramona: „Es ist erstaunlich und echt lehrreich, wenn man sieht, wie unterschiedlich einzelne Bilder beurteilt werden können – und wie unterschiedlich wir alle die gleichen Motive fotografisch interpretiert haben.“

CEWE hatte für diesen Workshop zwei CEWE Fotostationen zum Ausdrucken vor Ort mitgebracht – zur freien Nutzung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Besonders die großen Prints im Format 20×30 cm waren gefragt – und führten zu erstaunlichen Aussagen, beispielsweise von Birgit: „Wenn ich mein Bild in diesem Format in den Händen halte, sehe ich auf einmal Details, die ich auf dem Monitor des Laptops nicht gesehen habe. Aber nicht nur das. Ich finde, man bekommt eine ganz andere, eigene Beziehung zu seinen Fotos, wenn man sie als Ausdruck in Händen hält.“

„Dieser CEWE Fotoworkshop hat mal wieder eindrucksvoll bewiesen, dass die Fotografie ein Medium ist, das Menschen vor und hinter der Kamera zusammen bringt. Auch wenn letztlich jeder für sich selbst seine Bilder gestaltet und aufnimmt – es ist wie in diesem Fall wunderbar zu sehen, wie in der Gruppe neue Bildideen entstehen und gemeinsam das Hobby Fotografie im wahrsten Sinne des Wortes gelebt wird,“ fasst Sylke Warning ihre positiven Eindrücke des CEWE Fotoworkshops zusammen. Und freut sich wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die nächsten gemeinsamen Projekte.

 

Die schönsten Bilder unserer Teilnehmer:

  • Adda Lohrberg
  • Birgit Hoffmann
  • Britta Bauer
  • Caroline Lohrmann
  • Christian Glabasnia
  • Dennis Neitzert
  • Dieter Lohrberg
  • Petra Paul
  • Ramona Staedler
  • Stefan Süverkrüp
  • Tamara Bauer
  • Tanja Starck
  • Thomas Hauser
  • OLYMPUS DIGITAL CAMERA

19 Kommentare

  1. Es war soo schön! Vielen Dank nochmal für den tollen Workshop!

    • Sylke Warning

      Liebe Caroline, ich danke dir für deine netten Worte. Schön, dass du dabei warst und wir uns persönlich kennenlernen durften. Vielleicht bis bald, ich würde mich freuen :-)

  2. Es ja so viel Spaß gemacht. Danke,dass ich als Model dabei sein dufte! Gerne wieder!

    • Sylke Warning

      Liebe Sonja, auch uns hat es Freude gemacht, mit einem echten Profi zu arbeiten. Wir bleiben in Kontakt.

  3. Bin noch immer happy.
    und ich könnt scho wieder :-)

    Meine Phantasie schlägt noch immer Purzelbäume. Danke an CEWE für den Inspirations-Kick und die Top-Orga.

    • Sylke Warning

      Liebe Birgit, das glaube ich dir sofort. Ich hoffe sehr, du hast inzwischen etwas schlafen können ;-)

  4. Es war unbeschreiblich. Vielen Dank für das tolle Erlebnis

    • Sylke Warning

      Liebe Adda und lieber Dieter, vielen Dank für eure lieben Worte. Ich freue mich, dass euch die Veranstaltung gefallen hat. Es war in der Tat ein besonderes Erlebnis.

  5. Es war fantastisch!
    Die professionelle Begleitung des großartigen Teams, die herausragende Örtlichkeit, das “Rund-um-Sorglos-Paket” von cewe und nicht zu vergessen das Kennenlernen von gleichgesinnten Menschen und deren Umgang mit der Kamera sowie anderen Blickwinkeln bei der Motivsuche haben einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
    Eine Qual ist es, hinterher aus vielen Fotos auszuwählen und auf ein präsentables Maß zu reduzieren.
    Ich bin schon sehr gespannt auf mein Fotobuch, indem ich sowohl die schönsten Fotos zu den vom Profifotografen gesteckten Themen als auch den workflow zeigen möchte. Auch werde ich ein anderes Papier ausprobieren und die Unterschiede von “ABO-an” und “ABO-aus” ausprobieren.

    Liebes cewe-Team: Macht weiter so. Ich würde jeder Zeit wieder sehr gerne dabeisein!

    • Sylke Warning

      Hallo liebe Britta, uns hat es ebenfalls großen Spaß gemacht. Die Bildauswahl am Ende ist wirklich nicht immer leicht. Ich bin mir aber sicher, dass du für dein CEWE FOTOBUCH die schönsten Bilder auswählen konntest. :-)

  6. Hallo,

    das war nicht nur ein Intermezzo zwischen anderen Terminen, dieser Fotoworkshop hat seine Spuren hinterlassen. Nochmals an dieser Stelle ein Dankeschön für den tollen Einsatz an Sylke und Robert.

    Außerdem ist mein Fotobuch fertig … musste schnell gehen, denn der nächste Termin wartet schon.

    • Sylke Warning

      Hallo lieber Christian, umso mehr freue ich mich, dass du es einrichten konntest und wir dich kennenlernen durften. Eindeutig der charmanteste Zahnart weltweit :-)

  7. Hach, ich schreibe auch gerade meine Zeilen dazu und sitze mit einem breiten Grinsen da, wenn ich an all die schönen Momente und die tollen Menschen denke.

    Vielen, vielen Dank noch mal!

    Alles Liebe
    Tanja

    • Sylke Warning

      Hallo liebe Tanja, das kann ich mir bildlich vorstellen. Dein Lachen höre ich heute noch. Ich sage nur “Tuberkulose Bakterium” ;-)

  8. Hallo
    Nun sind schon zwei Wochen vergangen . Aber es ist immer noch unvergessen . Mann hat noch so viele Ideen im Kopf und durch Die fachlichen Tips von einen tollen Team konnte man eine menge lernen . Es hat einfach alles gestimmt .

    • Sylke Warning

      Hallo Ramona, die Zeit rennt wirklich wahnsinnig schnell. Ich danke dir für deine Teilnahme und für die vielen Insider-Tipps. In einer ruhigen, privaten Minute werde ich mir diese ansehen :-)

  9. Es war super klasse! Allen ganz herzlichen Dank dafür!

    Nun habe ich gerade zum 3. Mal wieder eine Auswahl getroffen aus meinen ca. 900 bereits ausgewählten Fotos zu den Lost Places :) Trotzdem sind ca. 875 Fotos enttäuscht auf der externen Festplatte übrig, die die Welt und meine Auswahl nicht verstehen können :(

    Es hätten locker 3 Beiträge daraus werden können :)

    Wer wissen will, welche meiner Fotos es in den Beitrag geschafft haben und wie mir die Lost Places begegnet sind – einfach rein klicken, reinlesen und nachschauen! Schreibt mir doch welches Foto euch am besten gefällt! Ich bin gespannt und freue mich! Ihr seid eine tolle Truppe!

    http://www.passengeronearth.com/lost-places-farben-verfall-gemaeuer-fotoworkshop/

    Liebe Grüße, Petra

    • Sylke Warning

      Hallo Petra, vielen Dank für deinen Beitrag und für die Verlinkung. Ich bin mir sicher, dass dieser bei all deinen Lesern gut ankommt. Ich wünsche dir tolle Monate in Bali. :-)

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