Fotobuch Gestaltung – Hintergründiges

SPECIAL FOTOBUCH GESTALTUNG Teil 3 – Hintergründiges

Fotobuch Hintergründiges Musterlehre - SPECIAL FOTOBUCH GESTALTUNG

SPECIAL FOTOBUCH GESTALTUNG

Beim Fotobuch muss nicht immer und überall das Foto dominieren. Einbände und Seiten lassen sich auch mit selbstgestalteten Mustern und Strukturen individualisieren.

In den ersten beiden Folgen unserer Serie mit Tipps zur Fotobuchgestaltung haben wir uns mit den grundlegenden Fragen wie Format, Aufbau, Bildverteilung und Typografie auseinandergesetzt. Diesmal geht es etwas spezieller um das Thema der individuellen Gestaltung von Seitenhintergründen mit Farben, Mustern oder Strukturen. Individuell, da die gängige Fotobuch- Software zwar viele Farben und Muster beinhaltet, selten aber genau die, welche man für ein bestimmtes Thema benötigen würde.

Eine Technik übrigens, die sich genauso gut beim Layout des Einbands einsetzen lässt: Er muss ja nicht zwingend mittels Farbe und Foto gestaltet sein. Es kann sogar spannender sein, wenn auf dem Buchtitel kein Foto zu sehen ist, sondern lediglich eine interessante Struktur (zwar nur in 2-D), ergänzt durch eine aussagekräftige Titelzeile. Ein Titelmuster kann relativ neutral aussehen – etwa wie ein Leinen- oder Stoffeinband – und eignet sich dann zu vielen Inhalten. Andererseits kann das Muster speziell auf das Thema des Fotobuchs zugeschnitten sein, denn die Möglichkeiten, einen eigenen Hintergrund zu kreieren sind sehr vielfältig. Als Werkzeug werden dafür ein Scanner oder eine auch für den Nahbereich taugliche Digitalkamera benötigt. Dazu eine große Preise kreativer Fantasie. Wer etwas leichter zum passenden Seitenuntergrund kommen will, darf sich auch die vorgefertigten Muster seiner Bildbearbeitungssoftware wie z.B. Photoshop anschauen, dazu später mehr.

Seiten in Farbe

Fotobuch Innenseiten, Hintergrund mit Photoshop FüllmethodeFür viele Gestalter ist die farbliche Veränderung von Fotobuchseiten selbstverständlich. Wir sind im letzten Teil kurz auf dieses Thema eingegangen und haben Tipps zur Farbgebung und Verteilung farbiger Seiten im Fotobuch gegeben. Wer eine ganz bestimmte Seitenfarbe verwenden oder eine dominierende Farbe aus dem darauf zu platzierenden Foto exakt wiedergeben möchte, kann dies mit einem Umweg über ein Bildbearbeitungsprogramm wie Photoshop erreichen: Als erstes legt man ein neues Bild in passender Größe zum Fotobuch und mit 300 dpi Auflösung an. Dann mit dem Befehl „Fläche füllen“ die ausgewählte Farbe in gewünschter Deckung einstellen. Alternativ kann man in einem ersten Schritt mit der Pipette aus dem zu platzierenden Foto die entsprechende Farbe als Hintergrundfarbe bestimmen und diese dann für die Flächenfüllung auswählen. Natürlich sollten die Farben für einen Seitenhintergrund in der Regel nicht zu kräftig ausfallen und zum Thema des Fotobuchs passen. Hochzeits- und Familienbilder etwa in eher zarten, frischen Farbtönen, die oft auch in den Motiven selbst vorhanden sind. Andererseits vertragen Fotos von eher sportlichen Themen (Segeln, Reitsport, Autorennen) durchaus auch kräftigere Farbtöne als Hintergrund, sofern sie wieder mit einer dominierenden Farbe im Bild übereinstimmen. Und natürlich sollte man nicht unbedingt bei nebeneinander liegenden Seiten jeweils eine andere Farbe für den Seitenhintergrund anlegen …

Fundus für Materialien

[Galerie nicht gefunden]

Woher bekommt man aber Ausgangsmaterial für gemusterte Hintergründe? Etliches kann sich in Büro, Studio oder Haushalt finden: alte Fotoalben mit schönem Einband, edle Stoffe, Gebrauchsstoffe wie Handtücher aus Frottee oder feinem Leinen, Ledertaschen, Pelze oder ein Standard-Büroordner mit der bekannten Wolkenstruktur in Schwarzweiß auf den Klappdeckeln. Eine wahre Quelle der Inspiration kann auch das Stöbern in einem Fachgeschäft (Künstlerbedarf) für feine Papiere aller Art sein, notfalls reicht auch ein gut sortierter Schreibwarenladen mit Bütten- oder Geschenkpapieren. Unsere Beispiele entstanden mit den aufgeführten Möglichkeiten und landeten auf einem A4-Scanner, wo sie für ein Bildformat von 20 x 30 cm in Farbe und mit 300 dpi Auflösung in ein Foto verwandelt wurden. Anschließend in einem Bildbearbeitungsprogramm nachbearbeitet, erhielten sie teilweise eine Verringerung der Sättigung und Aufhellung, um ihre Dominanz als Hintergrundbild zurückzunehmen. Schließlich sollen die darüber gelegten Fotos ihre Wirkung ungebremst entfalten können.

Fotohintergründe sollten themenbezogen ausgewählt werden.

Fotohintergründe sollten themenbezogen ausgewählt werden.

Ein Scanner leuchtet die Objekte aus, schluckt auch solche in Buchdicke und kann kleine Formate gleich vergrößern – der Fantasie sind mit diesem Vorgehen kaum Grenzen gesetzt. Dinge, die nicht auf einen Scanner passen, wie rostige Blechwände, Strukturen an Bäumen oder Hausmauern kann man fotografieren und archivieren.

Fotobuch Fotohintergrund leder neutral schwarz

Kann kein Themenbezug gefunden werden, sollten Fotohintergründe, wie der schwarze Ledereinband, neutral sein.

Viele Programme zur Bildbearbeitung bieten eine Möglichkeit, die Bildfläche mit Farben oder Mustern zu füllen, von letzteren liegen meist auch etliche zur Auswahl bereit. Wie wir schon in der vergangenen Folge gezeigt haben, wirken Muster als Seitenuntergrund besser, wenn man die Sättigung auf Werte um 25 % begrenzt, um die optische Wirkung nicht zu dominant erscheinen zu lassen. Zusätzlich können sie noch weichgezeichnet oder mit anderen Filtern verfremdet werden. Hier sollte man mit unterschiedlichen Einstellungen ruhig etwas experimentieren. Variieren kann man in Photoshop zusätzlich mit dem Befehl „Fläche füllen“ (unter „Bearbeiten“), das dort enthaltene Fischgrätmuster wirkte erst durch „Umkehren“ (unter „Bild/Einstellungen“) richtig gut als Bucheinband. Alle Bilder, egal ob aus Scanner, Kamera oder aus Photoshop & Co. sollten eine Bildgröße passend zum Fotobuchformat bei einer Auflösung von 300 dpi haben und über ein S-RGB-Profil verfügen (ideal für die Gestaltungssoftware fast aller Fotobuchanbieter).

Cover ohne oder mit Foto

Fotobuch Cover mit Foto - wenn der Kontrast stimmt

Wenn der Kontrast und das Motiv stimmen, kann auf dem Titel auch ein kleines, elegant wirkendes Bild auf einem schwereren Hintergrund (hier farbiges Büttenpapier) platziert werden. Für die Innenseiten würde sich der gleiche Hintergrund in leicht abgesofteter Darstellung oder in Schwarzweiß anbieten.

So naheliegend es scheint, ein Fotobuch bereits auf seinem Einband mit einem oder mehreren Fotos zu gestalten, hat doch auch ein Titellayout ganz ohne Foto seinen Reiz. Dazu muss man nicht einmal zu einem oft alternativ lieferbaren, echten Leder- oder Leineneinband greifen, sondern kann eine solche Oberfläche simulieren, wenn auch nur in Form eines Fotos und ganz ohne die entsprechende Haptik. Dafür aber mit unendlich mehr Möglichkeiten bei der Gestaltung. Alles scheint möglich, vom fotografischen Realismus (Pelz, Leder, Leinen, Seide, Struktur- oder Musterpapiere) bis hin zu eher grafischen Effekten oder realen Oberflächen (Pergamin, Ordnerdeckel, Fischgrätmuster). Auf den Inhalt des Fotobuchs kann entweder ein passender Buchtitel in angemessener Typografie und/oder der Name des Autors verweisen. Fotobucheinbände vertragen auch die Verwendung von Hintergrundfotos ohne eine reduzierte Sättigung. Das kommt im Wesentlichen auf den Bildinhalt und dessen Ausformung, ob grob oder klein strukturiert, an: Man muss es einfach ausprobieren.

Seiten mit Hintergrundmuster

Genauso wenig, wie man in einem Fotobuch ständig die Seitenfarbe wechseln und diese mit einer dominanten Farbe im darauf liegenden Foto harmonieren sollte, um einen unruhigen Gesamteindruck zu vermeiden, müssen auch eingesetzte Hintergrundmuster oder -bilder zu den Fotos thematisch passen. Und wie oben beschrieben, ist es sinnvoll, ihre Präsenz durch eine Verringerung der Intensität zu reduzieren. Mit etwas breiteren Rahmen um die Bilder heben sich diese dann auch noch besser von einem strukturierten Hintergrund ab.

Fotobuch Zwischentitle als Kapiteltrenner

Ob man für Zwischentitel als Kapiteltrenner das klassische Spinnwebpapier aus einem Fotoalbum scannt, ein frei erfundenes Muster oder einfach nur eine Farbseite einsetzt, ist reine Geschmackssache. Auf jeden Fall sollte sich die Gestaltung des Zwischentitels von den anderen Seiten deutlich unterscheiden.

Ein denkbarer Einsatz von nur einigen gemusterten Seiten sind beispielsweise die Zwischentitel einzelner Kapitel oder die erste Innenseite mit der Titelei. Wir haben als Beispiel den Scan eines original Pergamin-Zwischenblatts (das so genannte Spinnwebpapier) aus einem recht alten Fotoalbum verwendet. So etwas passt sicher thematisch zu eher „romantischen“ Inhalten wie Reise, Hochzeit und Familie, weniger zur Industrie- oder Architekturfotografie.

Fotobuch Hintergrund Aktendeckel mit geringer Sättigung

Die Struktur des leicht bearbeiteten Scans eines Aktenordnerdeckels passt in diesem Fall zu allen Motiven. Mit der Ähnlichkeit des Musters zu den Filzstoffen werden die Fotos sanft in den Hintergrund eingebettet. Dennoch stehen die Bilder für sich, weil sie sich durch ihre starke Farbigkeit und den weißen Rahmen sehr gut vom Hintergrund abheben.

Eine andere Idee ist die durchgängige Gestaltung aller Buchseiten (vielleicht mit Ausnahme vorhandener Zwischenkapitelseiten) mit einem zu allen Fotos passenden Hintergrundmuster. Eine stark reduzierte Sättigung und Aufhellung verpasst dem Scan des Ordnerdeckels eine luftige Struktur ähnlich einem Filzstoff. Eine leichte Weichzeichnung lässt ihn noch mehr in den Hintergrund treten. Die so gestaltete Doppelseite mit Fotos der farbenfrohen Filzmode von Annette Oltmanns mag hier als positives Beispiel dienen.

Fotobuch mit Hintergründen die in Photoshop generiert werden

Bei Hintergründen, die im Photoshop generiert werden, sollte ein homogenes Bild entstehen. Wenn man über die Füllmethode z. B. ein Fischgrätmuster (oben) anlegt, darf der Kontrast nicht zu stark sein. Sonst funktioniert das Bild nicht mehr als Hintergrund. Schön wirken solche Muster auch farbig Ton-in-Ton. Oft erzielt man eine gute Wirkung, wenn man auf ein bereits vorhandenes Bild verschiedene Photoshop- Filter hintereinander anwendet. Allerdings kann eben dieses auch eine Falle sein und das Motiv wird zerstört.

Je nach Fotobuch-Gestaltungssoftware wird das Hintergrundfoto entweder seitenfüllend auf der untersten Ebene platziert, oder, noch einfacher bei der CEWE Fotobuch-Software, mit dem Befehl „Foto als Hintergrund“ automatisch ein- oder doppelseitig eingesetzt. Das Arbeiten mit individuellen Hintergrundmustern ermöglicht besonders beim Bucheinband eine kreative Gestaltung und ist daher eine echte Alternative zur verbreiteten Titelgestaltung mit dem „schönsten“ Inhaltsfoto.

Autor: Dieter Beckhusen

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