Für jedes Aufnahmeformat gibt es die so genannte Standardbrennweite. Sie entspricht in etwa der Länge der Formatdiagonalen. Die Diagonale eines 36 x 24 mm großen Rechtecks (Vollformat/Kleinbild) ist 43,3 mm lang, als Standardbrennweite gilt 50 mm. Die Diagonale eines 17,3 x 13 mm großen Rechtecks (4/3-Format) ist 22,2 mm lang, als Standardbrennweite gilt 25 mm. Der entsprechende diagonale Bildwinkel beträgt jeweils rund 46°. Und auch bei Mittelformatsystemen hat die Standardbrennweite einen Bildwinkel von rund 46°.
Was ist an diesem Bildwinkel dran, dass man gerade ihn als „Standard“ annimmt? Es gibt verschiedene Erklärungen. Sehr einleuchtend ist die folgende. Betrachtet man ein ausgedrucktes Bild unter einem Blickwinkel, der dem Bildwinkel des Objektivs bei der Aufnahme entspricht, so wirkt das Bild sehr natürlich und es stellt sich ein sehr überzeugender räumlicher Eindruck ein. (Das hat nichts mit 3DAufnahmen zu tun. Für die braucht man immer zwei Bilder, die dem linken und dem rechten Auge getrennt präsentiert werden!).
Geht man nun in der Zeit zurück, kommt man in die Ära der Großformatkameras, in denen oft Negative der Formate 9 x 12 cm, 13 x 18 cm oder 18 x 24 cm belichtet wurden. Von diesen Negativen wurden unvergrößerte Kontaktabzüge hergestellt. Wird so ein Abzug aus einer normalen Leseentfernung von 25 bis 30 cm betrachtet, sieht man das Bild unter einem Blickwinkel von rund 45° bis 50°. Es wirkt also, siehe oben, besonders lebendig und räumlich, wenn es mit einem Objektiv mit einem Bildwinkel von rund 50° aufgenommen wurde. Der stellt sich wiederum „automatisch“ ein, wenn die Brennweite etwa so lang ist wie die Formatdiagonale.
Bei Kleinbild-SLR-Kameras kommt hinzu, dass Objektive mit 50 mm Brennweite noch nicht als Retrofokus-Konstruktionen ausgeführt werden müssen, um Platz für den Schwingspiegel zu lassen. Außerdem können Lichtstärken von 1:1,8 oder auch 1:1,4 realisiert werden, ohne dass die Linsen sehr groß werden. Die Objektive können also ohne großen Aufwand recht günstig gefertigt werden und waren in den 50er bis 80er Jahren des 20. Jahrhunderts bestens geeignet, als Grundausstattung mit einer SLR verkauft zu werden.
Nach diesen etwas theoretischen Überlegungen nun zur Praxis. Standardobjektive hatten und haben bei vielen Fotografen den Ruf, „langweilig“ zu sein. Gut - sie bringen keine extreme Tiefenwirkung und man kann dem Reh auf der Waldwiese nicht direkt ins Auge schauen, aber trotzdem sind Standardobjektive alles andere als langweilig. Besser gesagt (da heute Zooms den Markt beherrschen): Die Standardbrennweite plus/minus ein paar Millimeter ist alles andere als langweilig.
Vor allem ist die Standardbrennweite vielseitig. Gruppenaufnahmen und Bilder von einzelnen Personen sind möglich, man kann gut Halbfiguraufnahmen machen und auch Porträts lassen sich damit aufnehmen. Im Gegensatz zu den längeren Brennweiten bringt die Standardbrennweite ein bisschen mehr Umfeld ins Bild und man kann eine Person im Einklang oder im Spannungsverhältnis mit ihrer Umgebung zeigen. In der Landschaft sorgt die Standardbrennweite für einen natürlichen Eindruck ohne stark betonten Vordergrund, aber wenn man das Hochformat wählt, in die Hocke geht und die Kamera ein wenig nach oben neigt, bekommt man trotzdem Objekte in der Nähe und einen großen Himmel ins Bild. Die Wiedergabe ohne die Tiefenbetonung kürzerer Brennweiten und ohne die raffende Wirkung längerer Brennweiten (auf beides kommen wir gleich noch zu sprechen) macht die Standardbrennweite auch gut geeignet für neutrale Dokumentationen und für Bilder von Objekten, die allein durch sich und nicht durch Brennweiteneffekte wirken sollen.
Festbrennweitige Standardobjektive als Bestandteil eines Systemkameras-Sets sind selten geworden. Ihre Stelle haben Standardzooms eingenommen. Ein weit verbreiteter Verstellbereich umfasst die Brennweiten von rund 28 mm [@KB] bis 85 mm [@KB], wenn es um Kameras mit Wechselobjektiven geht. Solche Objektive sind auch bei den Kompakt- und All-in- One-Kameras zu finden, aber hier werden immer öfter auch Zooms mit - zum Teil deutlich - größeren Brennweitenbereichen verbaut.
TIPP
Kameras mit 10 MPix können Anfang 2009 als Standard angesehen werden und Kameras mit noch höherer Auflösung sind bereits sehr weit verbreitet. Die Bilder aus diesen Kameras können problemlos in großen Formaten ausgegeben werden - wieso also dieses Potenzial nicht kreativ nutzen? Eine faszinierende Variante großer Bilder sind Drucke auf Leinwand (auch als „Canvas“ bekannt). CEWE COLOR hat das Format-Angebot der Fotoleinwände ausgebaut. 14 Größenvarianten von 20 x 30 cm bis 90 x 160 cm stehen zur Wahl, darunter auch Quadrate. Die Rechteckformate können natürlich für die Präsentation von Hoch- und Querformatbildern genutzt werden. Fünf Formate (20 x 30, 30 x 40, 40 x 60, 60 x 60 und 60 x 80) werden auch mit „Schattenfugenrahmen“ angeboten - eine Fuge zwischen Bildfläche und Rahmen lässt das Bild noch besser hervortreten. Infos dazu gibt es unter www.cewe.de.
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