Im Fokus des Interesses vieler Hobbyfotografinnen und Hobbyfotografen stehen die Kameras mit all ihren vielfältigen Einstellmöglichkeiten, ihrer umfassenden Ausstattung und ihrem High-Tech-Ambiente. Die Objektive geraten da oft ein bisschen ins Hintertreffen, denn wenn es sich nicht um Superzooms mit extrem großem Verstellbereich oder Lichtriesen handelt, haben sie wenig Spektakuläres zu bieten. Dabei ist gerade die Wahl der richtigen Brennweite für die Bildwirkung von entscheidender Bedeutung bei der Umsetzung einer Bildidee.
Wenn im Folgenden von einer Brennweite die Rede ist, gilt das für das entsprechende festbrennweitige Objektiv sowie für Zooms, die diese Brennweite bieten, für fest eingebaute wie für Wechselobjektve und es gilt auch für Brennweiten, die etwas kürzer oder länger sind.
Über die Standardbrennweite wurde bereits Positives berichtet. Egal, ob sie 50 mm (für Vollformat), rund 32 mm (für APS-C) oder 25 mm (für 4/3) beträgt oder noch kürzer ist (für All-in-One- oder Kompaktkameras mit ihren sehr kleinen Sensoren) – sie ist vielseitig nutzbar und sehr gut für neutrale, unaufgeregte Bilder zu verwenden.
Interessante Varianten des Standardobjektivs sind zum einen die Festbrennweiten mit sehr hoher Lichtstärke und zum anderen die mit ultraflacher Bauweise. Allerdings fällt die Auswahl in beiden Fällen eher dünn aus und wir müssen für einen Moment Kompakt- und All-in-One-Kameras außen vor lassen.
Mit 1/30 Sek., Blende 1,4 und ISO 800 kann man noch in der späten Dämmerung Aufnahmen machen, z. B. bei einem Stadtbummel. Eine leichte Minuskorrektur hilft, das „Ausfressen“ der Lichter zu vermeiden und die dunklen Partien etwas knackiger ins Bild zu bekommen. Auch eine automatische Tonwertkorrektur kann helfen.
Anfang 2009 steht nur ein einziges Standardobjektiv mit Anfangsöffnung 1:1,2 in den Katalogen (Canon EF 1,2/50 mm L). Objektive mit Lichtstärke 1:1,4 findet man häufiger und (fast immer) zu deutlich erschwinglicheren Preisen.
Die hohe Lichtstärke macht es möglich, bis weit in die Dämmerung hinein aus der freien Hand bei natürlichem Licht zu fotografieren und ggf. die ganz hohen ISO-Werte zu meiden, wenn diese mit Rauschen behaftet sein sollten. Dabei macht es sich positiv bemerkbar, dass man schon ohne Bildstabilisator mit Verschlusszeiten bis zu 1/30 Sek. verwacklungsfrei fotografieren kann. Auch in einer hellen Umgebung lässt sich ein lichtstarkes Standardobjektiv sinnvoll einsetzen. Bei ganz offener Blende bietet es die Möglichkeit, das Hauptmotiv in einer schmalen Schärfenzone darzustellen, den Hintergrund aber in Unschärfe verschwimmen zu lassen. Das ist nicht so deutlich wie bei einem mittleren Tele gleicher Lichtstärke, das aber größer, schwerer und teurer ist.
Die sehr flachen Standardobjektive, die dieser Bauform wegen auch als „Pancake“- (also „Pfannkuchen“-)Objektive bezeichnet werden, sind zwar nicht sehr lichtstark, aber da sie sehr leicht sind und nicht auftragen, eignen sie sich bestens als ständige Begleiter. Man kann sie gut auch einmal unter der Jacke tragen, wenn es nieselig ist oder man nicht als Fotograf auffallen möchte.
... dass es schon 1961 ein Wechselobjektiv mit Lichtstärke 1:0,95 gab? Es kam an der Messsucherkamera Canon 7 zum Einsatz.
Erst 2008 stellte Leica diesen Rekord mit dem Noctilux 0,95/50 mm ASPH. ein.
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