Monitor

Bei den meisten Kompaktkameras übernimmt inzwischen ein Monitor auf der Kamerarückwand die Aufgabe des Suchers und seit Live-View (dazu später mehr) sich in den D-SLRs durchgesetzt hat, steht der Monitor hier als Alternative zum Sucher zur Verfügung. Bei All-in-One-Kameras und den neuen NGCs von Panasonic kommen zwei Monitore zum Einsatz. Einer ersetzt die Mattscheibe im Sucher (was dazu führt, dass diese Kameras einen D-SLRähnlichen Sucheraufbau aufweisen), der zweite ist wieder auf der Rückseite untergebracht. Das erste NGC-Modell von Olympus, die E-P1, hat nur einen Monitor, und zwar auf der Rückwand.

 

 

Bei einigen Kameras ist der Monitor beweglich gelagert, was Aufnahmen in Bodennähe (z. B. bei Blumenbildern), über dem Kopf (z. B. im Rock- Konzert) oder in anderen ungewöhnlichen Positionen erleichtert. Da der Monitor das Bild direkt vom Aufnahmesensor bekommt, liegt die Übereinstimmung von „Sucherbild“ und aufgenommenem Bild bei 100 % oder knapp darunter. Bei den Kompakten ist der Monitor in dieser Hinsicht dem optischen Sucher deutlich überlegen, bei den D-SLR-Modellen nur, wenn es darum geht, den Sensor bis zum Rand auszunutzen und die exakte Übereinstimmung von Sucherbild und aufgenommenem Bild nötig ist. Bei All-in-One- und NGC-Modellen zeigen beide Monitore dasselbe Bild.

 

Ein wichtiger Vorteil der Monitore als Sucher ist, dass man eine Vielzahl von Informationen (vom Histogramm, auf das wir später zurückkommen, bis Restkapazität der Speicherkarte), Hilfsmittel (wie Wasserwaage oder Raster) einblenden kann.

 

War bei den ersten Digital-Kameras die Auflösung nach heutigen Maßstäben (Sommer 2009) eher gering, so gab es neben Monitoren mit Diagonalen von 1,8“ (4,6 cm) auch schon welche mit 2,5“ (6,35 cm), eine Größe, die auch heute noch anzutreffen ist. Der Trend geht allerdings zu größeren Bildschirmen. 3-Zöller (7,62 cm Diagonale) sind sehr weit verbreitet und auch 3,5“ (8,89 cm) sind schon anzutreffen.

 

Die Größe allein ist kein Maßstab für die Lesbarkeit der Menüs oder die Möglichkeit, die Schärfe des aufgenommenen Bildes zu beurteilen, wenn man hineinzoomt. Hier spielt die Auflösung des Monitors eine wesentliche Rolle.

 

Im Sommer 2009 sind Monitore mit 230.000 Dots am weitesten verbreitet, auf dem D-SLR-Sektor nehmen Kameras mit 920.000-Dot-Bildschirmen rapide zu. Diese Zahlengaben beruhen aber darauf, dass jeder Bildpunkt auf dem Monitor aus drei „Dots“ gebildet wird – einem roten, einem grünen und einem blauen, was die Wiedergabe aller Farben ermöglicht. Das heißt in einen Fall, dass 320 x 240 Bildpunkte dargestellt werden können, im anderen Fall sind es 640 x 480 Bildpunkte, was aber immerhin der VGA-Auflösung entspricht. Wenn man bedenkt, dass lange Zeit 14- und 15-Zoll-VGAMonitore Stand der Computertechnik waren, kann man sich vorstellen, dass 640 x 480 Dots auf einem „3-Zöller“ für ein scharfes Bild sorgen.

 

Der Monitor als Sucher hat den Umgang mit den Kameras sehr stark beeinflusst. Man hält die Kamera nicht mehr nur ans Auge, sondern in einen gewissen Abstand vor sich. Für Träger von Brillen, die oben für „fern“ und unten für „nah“ korrigiert sind, kann das den Nachteil haben, dass sie das Monitorbild nur scharf sehen, wenn sie den Kopf ein bisschen in den Nacken legen. Diese Kamerahaltung erhöht zudem die Anfälligkeit fürs Verwackeln und bietet dem Sonnenlicht die Möglichkeit, auf den Monitor zu fallen und das Bild teilweise oder ganz unsichtbar zu machen.

 

Bei den bislang marktbeherrschenden LCD-Monitoren setzen die Hersteller teils auf Hintergrundbeleuchtung des Monitors, teils auf beschichtete Oberflächen, um die Sichtbarkeit des Bildes auch in einer hellen Umgebung zu gewährleisten.

 

Als Zubehör gibt es zudem „Monitor-Abschatter“, die den guten alten Lichtschacht wieder aufleben lassen, den ältere Fotografen von den zweiäugigen Spiegelreflexen und einigen KB-SLRs mit Wechselsucher kennen. Bei Kameras, die nur den Monitor als Sucher bieten, sind diese Hilfen praxisnäher als bei Kameras, die zusätzlich einen Sucher bieten. Um den Sucher nutzen zu können, muss der Schattenspender zusammengefaltet oder zugeklappt werden, was wiederum stört, wenn man das Bild nach der Aufnahme betrachten möchte.

 

Gerade eben (Sommer 2009) kommt die erste Kamera mit einem OLED-Bildschirm auf den Markt, die Samsung WB1000. OLED steht für „Organic Light Emitting Diode“. Die selbstleuchtenden organischen Folien sollen auch in hellen Umgebungen und bei flachem Einblickwinkel ein helles, kontrastreiches Bild bringen, einen großen Farbraum darstellen, kurze Ansprechzeiten haben und darüber hinaus dünn, leicht, strapazierfähig und in einer passiven und einer aktiven Variante herstellbar sein. Die günstig herstellbare passive Matrix soll für preiswerte Geräte mit geringer Informationsdichte eingesetzt werden, wogegen die aktive Matrix mit einzeln ansprechbaren Bildpunkten für hochwertige Monitore zur Verfügung steht. Das zumindest sagten die Entwickler bei Kodak, als ich im April 2001 im MFM Magazin für Fotografie+Medientechnik über OLED berichtete.

 

Während OLED nach einem langen Anlauf nun am Anfang seiner Karriere steht, sind TouchScreens auch bei Digital-Kompaktkameras schon eingeführt, wenn auch noch nicht weit verbreitet. Ihr großer Vorteil: Sie können noch größer ausfallen, da Einstellelemente virtuell auf dem Bildschirm erscheinen und keinen echten Platz auf der Rückwand beanspruchen. Ihr Nachteil: Sie sind „noch betatschter“ als andere Monitore, was ja auch Freunde des iPhones kennen.

 

Finger- und vor allem Nasenspuren sind auf Monitoren, die ihren Platz auf einer Kamerarückwand haben, nichts Seltenes. Man kann Folien aufbringen, die den Monitor schützen, aber die sind eher sinnvoll, wenn Kratzer drohen. Verschmutzungen des Monitors begegnet man am besten mit Puste (ggf. auch einem Blasepinsel), mit der man Sandkörnchen oder Ähnliches entfernt, und einem sauberen Microfasertuch, mit dem man gleich noch die Frontlinse der Kamera reinigen kann.

 

Tipp

Während bei der Entwicklung von Kameras und Handys gilt: Es geht noch ein bisschen kleiner, sollte bei der Ausarbeitung von Bildern gelten: Gehts nicht noch ein bisschen größer? Wenn Bilder nicht im Album, sondern groß an der Wand gezeigt werden sollen, wird Leinwand („Canvas“) als Material immer beliebter. Durchaus zurecht, denn Leinwandbilder können, je nach Motiv und Struktur edel oder rustikal wirken. Aber nicht jedes Bild passt auf das strukturierte Material, und dieses mit seiner Anmutung nicht unbedingt in jedes Umfeld. In diesen Fällen ist ein „50er“ Poster (50x75 cm) auf echtem Fotopapier eine hervorragende Alternative. Ein schöner Rahmen und ein Passepartout runden seinen Auftritt ab. Ein 6-MPix- Bild reicht für diese Größe – schauen Sie einfach mal auf http://www.cewe.de vorbei.

 

Wussten Sie, ...

… dass es bereits Anläufe gab, bei Digitalkameras die Aufnahmeeinheit (Objektiv, Blitz, Sensor) von der Speicher- und Wiedergabeeinheit (Kartenslots, Monitor) zu trennen? Bei einigen Nikon- Modellen (u. a. Coolpix 900) und der Agfa ePhoto 1280/1680 konnten zwei Kamerateile gegeneinander verdreht werden. Ein Stück weiter gingen die Minolta Dimage EX 1500-Modelle, die aus zwei Modulen bestanden, die man direkt koppeln, aber auch mit einem Kabel verbinden konnte. Eine Variante umfasste drei Module: Das Speicher/Monitor- Modul und je eines mit Zoom und Weitwinkelobjektiv. Warum diese Idee nicht weitergeführt wird, ist nicht nachvollziehbar, denn gerade Digitalkameras sind für die „Baukasten-Bauweise“ prädestiniert. Eine abgewandelte Form dieser Idee findet man in den Zig-View-Monitoren, die per Kabel mit einigen D-SLR-Kameras verbunden werden können und in der neuesten Version die Steuerung dieser Kameras erlauben.

 

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