Abbildungsfehler
Jedes Objektiv ist ein Kompromiss aus Wünschenswertem, Machbarem, Größe, Gewicht und Preis – und ist daher mit kleineren, manchmal größeren Restfehlern behaftet. Mit aufwendigen Testverfahren kann man auch kleinste Fehler nachweisen. Wie wichtig ist das für den Fotoalltag?
Ehe wir einen Blick auf einige Fehler werfen, die bei Diskussionen über Bildqualität häufig genannt werden, einige Anmerkungen.
- Technische Qualität allein macht kein gutes Bild. Der Fotograf muss auf jeden Fall das Motiv sehen, den passenden Standort und die passende Brennweite wählen. Wenn die Kamera es ermöglicht, wird das Bild zudem mit Blende (Schärfenzone) und Verschlusszeit (Bewegung im Bild) gestaltet. Das war schon so, als noch schwarz/weiß auf Glasplatten fotografiert wurde und hat sich im Prinzip weder durch andere Aufnahmematerialien noch durch technische Entwicklungen geändert – obwohl diese natürlich mehr Möglichkeiten erschlossen. Ob diese sinnvoll sind oder nicht, ist eine andere Frage.
- Ab wann mangelnde technische Qualität die Bildqualität negativ beeinflusst, hängt von den verschiedensten Faktoren ab. Bei Urlaubsschnappschüssen von Kindern am Strand, die in der Bildmitte zu sehen sind, ist Randunschärfe kein Problem, bei Makroaufnahmen einer fast ebenen Vorlage schon. Verzeichnung und Vignettierung stören kein bisschen, wenn ein Reporter eine packende Szene fotografiert. Sie stören aber sehr, wenn formatfüllende Architekturaufnahmen anstehen.
- Obwohl es mit Labortests möglich ist, die absolute Leistung verschiedener Objektive zu vergleichen, ist der Blick auf entsprechende Punktewertungen beim Kaufentscheid nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss. Wer Flexibilität sucht, wird ein Zoom vorziehen, auch wenn einzelne Festbrennweiten jeweils bessere Leistung bei weit offenen Blenden bringen. Wer noch mehr Flexibilität sucht, wird ein Superzoom wählen, auch wenn kürzere Zooms in einigen Bereichen bessere Punktewertungen einfahren. Wer gern mit einer kleinen, vielseitigen Ausrüstung unterwegs ist, wird eine Kompakt- oder All-in-One-Kamera mit großem Zoom wählen, auch wenn D-SLRs mit lichtstarken Top-Objektiven besser sind.
- Die Abbildungsqualität des Objektivs wird nicht von jedem Sensor und jeder Kamerasoftware gleich umgesetzt. Das heißt, dass ein für sich genommen gutes Objektiv (das kann man mit der sogenannten MTF-Messung feststellen) an der einen Kamera bessere Bilder bringt als einer anderen.
- Objektive werden in (großen) Serien gefertigt – und nicht jedes Objektiv der Serie ist wie das andere. Die Serienstreuung kann dazu führen, dass zwei gleiche Objektive an einer Kamera unterschiedliche Ergebnisse bringen und dass sich diese Ergebnisse wieder verschieben, wenn man die beiden Objektive an unterschiedlichen Kameratypen einsetzt – zum Beispiel am Einsteiger- und Mittelklassemodell eines Herstellers oder an Kameras unterschiedlicher Hersteller, was mit „Fremdobjektiven“ ja möglich ist.
- Abbildungsfehler sind nur dann störend, wenn man sie unter optimalen Betrachtungsbedingungen sieht. Schon die Präsentation eines Bildes auf einem Monitor, der weniger Bildpunkte aufweist als das Bild, gehört streng genommen nicht dazu. Betrachtet man das Bild mit der 100-Prozent-Einstellung, entspricht ein Pixel im Bild einem Monitor-Bildpunkt, der aus drei Dots in Rot, Grün und Blau aufgebaut ist. Das ist zwar der Beurteilung der technischen Qualität zuträglich, aber man sieht nur einen Bildausschnitt. Schaut man das ganze Bild auf dem Monitor an, muss es heruntergerechnet werden, was der technischen Qualität nicht zugutekommt – ganz abgesehen davon, dass der Monitor selbst unter einer ungleichmäßigen Helligkeitsverteilung leiden kann. Druckt man ein Bild aus, kommt es meist wieder zur Verkleinerung des Bildes, die Qualität des Druckers spielt eine wichtige Rolle und nicht zuletzt ist der Betrachtungsabstand wichtig. Der richtige Betrachtungsabstand entspricht in etwa der Bilddiagonalen – bei kleineren Formaten wird man in der Regel den Abstand einhalten, aus dem man auch A4-Bilder anschaut.
- In der analogen Fotografie wurde das Bild auf dem Negativ oder Dia so aufgezeichnet, wie es vom Objektiv geliefert wurde – alle Abbildungsfehler inklusive. Basta. Der Datensatz, den der Sensor einer Digitalkamera liefert, ist dagegen noch in vielerlei Hinsicht „formbar“. Neuere Kameras haben Bildbearbeitungssoftware eingebaut, die eine Reihe von Abbildungsfehlern aus dem Bild rechnet – pauschal oder ganz speziell auf bestimmte Objektive abgestimmt. Hinzu kommen externe Programme wie DxO, die Korrekturmodule für bestimmte Kamera/ Objektivkombinationen enthalten und die Bilder automatisch korrigieren. Und nicht zu vergessen die vielen Bildbearbeitungsprogramme, die ebenfalls die Optimierung der Bilder erlauben.
Kurz gesagt: Abbildungsfehler von Objektiven müssen, wie andere Bildfehler auch, differenziert betrachtet werden, wobei die Frage „Was will ich mit den Bildern machen?“ im Mittelpunkt steht. Abbildungsfehler müssen auch nicht mehr als gegeben und unabwendbar hingenommen werden – schließlich ist es einer der großen Vorteile der Digitalfotografie, dass man Daten hat, die sich bearbeiten lassen.
Wichtig ist, dass man Bilder anschaut, nachdem sie mindestens mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (kamerainterne Software, mitgelieferte Software) optimiert wurden, vielleicht auch mit einem zusätzlichen Programm. Wenn dann noch Fehler stören, passt ein Objektiv oder eine Kamera nicht zu einem. Wenn es keine sichtbaren Fehler mehr gibt, ist alles bestens. Praxisbilder in Originalgröße auf www.d-pixx.de helfen Ihnen, sich eine eigene Meinung zu bilden.